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Longman & Broderip

Longman & Broderip Tangent Piano c. 1785 - Eric Feller Collection

Ende des 18. Jahrhunderts gab es eine große Anzahl von Instrumentenbauer und Firmen in London, die die gewaltige Nachfrage nach den neuen „Pianoforte-Instrumenten“ bediente. Neben Instrumentenbauern wie Christopher Ganer, Johannes Zumpe oder John Broadwood sticht besonders die Firma Longman & Broderip hervor. Im Nachfolgenden möchte ich einen Überblick über die Firmengeschichte aufzeigen.

 

Die Anfänge der Firma starteten im Jahr 1767, als James Longman sich als Musikalienhändler in Cheapside selbständig machte. Zuvor arbeitete er in der Musikalienhandlung von John Johnson. Wie viele der damaligen Händler verkaufte er Noten und Instrumente. Aus erhaltenen Katalogen geht hervor, dass Blasinstrumente wie Oboen und Flöten, aber auch Cembali und Orgeln verkaufte, die jedoch alle nicht aus eigener Produktion stammten. Aber auch schnell erweiterte er sein Angebot und „das neue Pianoforte“ zählte ebenso zu seinem Sortiment. Ein Großteil der Instrumente wurde von John Geib und Thomas Culliford hergestellt, die für die Firma arbeiteten. Thomas Culliford stellte Cembali und Spinette für die Firma her. Ebenfalls arbeitete Christopher Ganer für die Firma. Ganer beispielsweise erhielt Zahlungen der Firma Longman & Broderip in den späten 1770er und frühen 1780er Jahren. Bis vor einigen Jahren war nicht genau klar, ob auch Johannes Zumpe Instrumente für die Firma lieferte. Das bisher einzige Instrument, welches diesen Beweis erbringt, befindet sich in der Eric Feller Collection (Tafelklavier Johannes Zumpe 1769 – klick hier). Das auf dem Vorsatzbrett signierte Instrument von Longman & Lukey aus dem Jahr 1769 hat eine weitere handschriftliche Signatur von Johannes Zumpe im Inneren.

 

Johann Joseph Zoffany (1733 - 1810) - The Gore Family c. 1775 - Yale Center for British Art, Paul Mellon Collection

Johann Joseph Zoffany (1733 – 1810) – The Gore Family c. 1775 – The Lady is playing an early Zumpe style square piano – Yale Center for British Art, Paul Mellon Collection

 

In der Anfangszeit hatte die Firma ihren Sitz in der Cheapside Street No. 26 (später dann ab Dezember 1782 auch noch am Haymarket No. 13).

In der Anfangszeit bestand die Firma aus James Longman, der selbst keine Klaviere baute. Ab 1769 kam der aus Cornwall stammenden Charles Lukey in die Firma. Ein Tafelklavier aus dieser Periode der Firma befindet sich ebenfalls in der Eric Feller Collection (Longman, Lukey and Co. 1769 – 1773 – klick hier).

Im Jahre 1773 trat ein weiterer Teilhaber in die Firma ein, Francis Broderip und die Firma hieß ab da „Longman, Lukey, and Broderip“.

Nachfolgend ein Katalog der Firma aus dem Jahr 1774.

Katalog Longman, Lukey & Broderip 1774 – klick hier

 

Die Zusammenarbeit hielt allerdings nur wenige Jahre. Charles Lukey verstarb im Jahr 1776 und von da ab gab es nur noch die Firma „Longman and Broderip“. Ein frühes Tafelklavier aus dieser Zeit befindet sich ebenfalls in der Eric Feller Collection (Longman and Broderip 1776 – 1782 – klick hier).

Auf Grund ständiger Verbesserungen und Entwicklung neuer Patente, besonders von John Geib expandierte die Firma in den 1780er Jahren und gehörte zu den führenden Spitzen im Instrumentenbau. Die Instrumente wurden weltweit geschätzt und genossen hohes Ansehen. Die von John Geib entwickelten Verbesserungen und den damit verbesserten Spiel- und Klangeigenschaften führten zu seinem Exklusivvertrag zwischen ihm und Longman & Broderip.

Die Firma expandierte immer mehr und war nun auch in der Tottenham Court Road No. 195 ansässig.

Tottenham Court Road c. 1800 - Engraving after Rowlandson

Tottenham Court Road ca. 1800 – Stich nach Rowlandson

Mitte der 1790er Jahre änderte sich allerdings der Erfolg der Firma. Durch den Krieg Napoleons und dem damit erschwerten Handel in Europa ging der Absatz drastisch zurück. Die Expansionen in den früheren Jahren erfolgte durch auswärtige Investoren die nun ihr eingesetztes Geld zurückforderten, welches nicht gezahlt werden konnte und die Firma schließlich im November 1795 bankrott ging und beide Geschäftspartner ins Gefängnis gingen.

Auf Grund der guten Reputation der Firma kaufte sich der Komponist und Instrumentenbauer Muzio Clementi 1796 in die Firma ein, so dass einige Kredite zurück gezahlt werden konnten und die Produktion fortgesetzt werden konnte. Ab 1797 wurden dann Instrumente mit dem Firmennamen „Longman, Clementi & Company“ hergestellt. Diese Instrumente waren durch William Southwell weiter verbessert (unter anderem die Erweiterung des Klaviaturumfangs auf 5 ½ Oktaven, einem größeren Resonanzboden und einem neuen Dämpfertyp). Der Klang dieser seltenen und frühen Clementi Instrumente wird bis heute als einer der schönsten beschrieben.

James Longman musste 1803 ein weiteres Mal ins Gefängnis als die Investoren ihre weiteren Investitionen zurückverlangten. Dort starb er dann im November 1803. Seine Firma wurde dann vollständig von Clementi aufgekauft und fortan unter dem Namen des Komponisten „Muzio Clementi & Co.“ weitergeführt.

 

Quellen:

  • Cole, M.: “The Pianoforte in the Classical Era”, (Oxford University Press 1998).
  • Harding R. E. M.: The Pianoforte ― its history traced to the Great Industrial Exhibition of 1851 (Gresham Books 1978).
  • Lancaster, G.: The first fleet piano, Australian National University Press (2015).
  • Nex, J.: “Longman & Broderip” in The Music Trade in Georgian London, Ed. M. Kassler (Ashgate 2011).

© Eric Feller – Early Keyboard Collection – Dezember 2018