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Broderip & Wilkinson 1802

Informationen

Datum: 1802

Herkunft: London

Seriennummer: ---

Die Firma Longman & Broderip zählte zu einer der bekanntesten Firmen im späten 18. Jahrhundert in England. Nach dem Bankrott der Firma im Jahr 1795 gingen James Longman und Francis Fane Broderip für einige Zeit ins Gefängnis. Der geschäftstüchtige Komponist Muzio Clementi kaufte sich daraufhin 1796 in die Firma ein und wurde fortan Partner von James Longman. Es erfolgte der Verkauf von Instrumenten unter dem Namen Longman & Clementi. Zeitgleich ging Francis Broderip eine Geschäftsbeziehung mit George Wilkinson ein, die bis zum Tod von Broderip am 18. Februar 1807 hielt.

 

Ein Instrument aus dieser Zeit ist dieses Tafelklavier aus dem Jahr 1802. Es zeigt sich in fast allen Details gleich wie Instrumente aus der Spätzeit der Firma Longman & Broderip. Der Korpus ist aus Mahagoni mit umlaufenden und mehrfarbigen Bandintarsien aus verschiednen Hölzern. Das Instrument steht auf einem Gestell mit Messingrollen. Die Tasten sind mit Elfenbein und Ebenholz belegt. Weiterhin verfügt es über ein hölzernes Pedal zur Dämpfungsaufhebung und ist zweichörig besaitet. Das Vorsatzbrett ist mit einer ovalen Kartusche aus Emaille verziert und trägt die Signatur:

„New Patent

Broderip & Wilkinson

Haymarket

London

Auf der ersten Taste ist seitlich die Jahrszahl „1802“ handschriftlich mit Tinte geschrieben. Bei der Mechanik handelt es sich um eine double action mit belederten Hämmerchen und Einzeldämpfern. Der Klaviaturumfang beträgt 5 ½ Oktaven (FF – c4) und deckte alle zur damaligen Zeit erhältlichen Komposition ab. Über der Mechanik befindet sich das originale dust-cover, welches mit grüner Seide bespannt ist.

 

Für weitere Information zu Francis Fane Broderip und die Firma Longman & Broderip klicken Sie hier.

 

George Wilkinson wurde am 5. November 1785 geboren. Nachdem er mit Francis Broderip eine Geschäftsbeziehung einging, kam seinen ältesten Bruder Charles Wilkinson 1805 hinzu. Nach dem Tod von Francis Broderip 1807 stellte er unter dem Namen Wilkinson & Co. Instrumente her.

 

Announcement of George Wilkinson and Elizabeth Broadhurst in The Gentleman's Magazine of 1809

Announcement of George Wilkinson and Elizabeth Broadhurst in The Gentleman’s Magazine of 1809

Am 23. September 1809 heiratete er Elizabeth Cecilia Mary Broadhurst. Im „Gentleman’s Magazine“ von 1809 findet sich die Hochzeitsmitteilung. Zusammen hatten sie 7 Kinder (Ann (1814 – 1814), Emma (1815 – 1889), Matilda (1817 – 1876), Oriana (1818 – 1853), Louisa (1820 – ?), Alfred Broadhurst Wilkinson (1822 – 1854), und Henry Broadhurst Wilkinson (1824 – ?).

1809 beauftragt Wilkinson Augustus Leukfeld und George Astor damit, nach William Southwells Patent (EN 3029, 1807) lizenzierte Klaviere herzustellen. 1810 verkaufte er das Verlagsgeschäft an Thomas Preston (1789 – 1834) und ging eine neue Geschäftsverbindung mit Robert Wornum (1780 – 1852) ein, nachdem er sich 12.000 Pfund von seinem Vater dafür geliehen hatte. Die Firma Wilkinson & Wornum stellte nun verbesserte aufrechte Klaviere her und die Fabrik und Ausstellungsräume befanden sich in der Nähe des Hanover Square in der Oxford Street 315 und der Princes Street 11. Das Lagerhaus und die Fabrik wurden 1812 durch einen Brand zerstört, wobei bis zu 70 Arbeiter entlassen wurden und Schulden über 16.500 Pfund hinterlassen wurden. 1813 löste sich die Partnerschaft auf und die Firma wurde Wilkinsons Vater übertragen, der die Schulden tilgte.

Gegen Ende des Jahres 1813 mietete sich Wilkinson ein Haus in der Howland Street 32 ​​und gründete 1816 eine Klavierfabrik in der Oxford Street 315 und fügte Ausstellungsräume in der New Bond Street hinzu. Instrumente aus dieser Zeit wurden beispielsweise von Pleyel sehr gelobt.

Zusammen mit Ferdinand Hirschfeld ging er nach 1830 eine neue Partnerschaft ein. Beide stellten nun spezielle Kerzen her, die sie sich auch patentieren ließen. Allerdings endete diese Partnerschaft ebenfalls im Bankrott 1835.

 

Portrait of George Wilkinson, in pencil, by Haughton, 1847

Portrait of George Wilkinson, in pencil, by Haughton, 1847

1854 verließ George Wilkinson London und ging nach Milford Haven um der Cholera in London zu entgehen. Dort verstarb er 1855 an einem Schlaganfall.

 

 

Weitere erhaltene Instrumente von Broderip & Wilkinson:

  • 1798 – 1807 Tafelklavier – Musikhistorisk Museum & Carl Claudius‘ Samling, Kopenhagen Dänemark
  • 1798 – 1807 Tafelklavier – Geoff Watson, Barnard Castle, England

 

 

Länge: 166 cm

Breite: 59,5 cm

Höhe: 26 cm

Umfang: 5 ½ Oktaven (FF – c4)

Mechanik: Double Action mit Oberdämpfer

Pedale: 1 Pedal - Dämpfungsaufhebung

Signatur: "New Patent
Broderip & Wilkinson
Haymarket
London"