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Muzio Clementi – Komponist, Pianist & Instrumentenbauer

Muzio Clementi (1752 - 1832) by Thomas Hardy in 1794 - Eric Feller Collection

Muzio Clementi (ursprünglich Mutius Philippus Vincentius Franciscus Xaverius Clementi) wurde am 23. Januar 1752 in Rom geboren. Seine Eltern waren Niccolo Clementi (1720 – 1789) und dessen zweiter Ehefrau Magdalena Caisar. Der Vater arbeitete als Goldschmied. Muzio hatte insgesamt 7 Geschwister, von denen nur drei überlebten: Gaetano (1757 – 1806), Maria Luigia (geb. 1759) und Regina (geb. 1764). Mit sechs Jahren erhielt er den ersten Musikunterricht bei Antonio Boroni (1738–1792). Danach folgten Giovanni Battista Cordicelli, Giuseppe Santarelli (1720–1790) und Gaetano Carpani (1692–1785) als seine Lehrer. Schon früh zeigte sich sein außergewöhnliches Talent.

Sir Peter Beckford (1740 – 1811)- Painting by Pompeo Batoni, 1766

Sir Peter Beckford (1740 – 1811) – Gemälde von Pompeo Batoni, 1766

Im Alter von 14 Jahren wurde der Engländer Sir Peter Beckford (1740–1811) auf den Jungen bei einer seiner Reisen aufmerksam und nahm ihn mit nach England, wo er eine umfassende Ausbildung erhielt. 1774 ging Clementi nach London und gab eine Reihe von erfolgreichen Konzerten und avancierte zu einem gefeierten Pianisten, Komponisten und Lehrer von internationalem Ruf.

In den Jahren zwischen 1780 – 1785 unternahm Clementi mehrere Konzertreisen ins Ausland. Er spielte beispielsweise in Paris, Straßburg, Bordeaux, Berlin, Bern oder Wien. Zu den Höhepunkten dieser Reisen gehörte zweifelsohne der Auftritt Clementis 1780 in Paris vor Marie-Antoinette. Ebenfalls denkwürdig ist sein Aufenthalt in Wien, wo er am Weihnachtsabend 1781 vor Kaiser Josef II. einen musikalischen Wettstreit gegen Wolfgang Amadeus Mozart spielte. Clementis große Erfolge ließen ihn über ganz Europa hin bekannt werden.

 

Mozart Family - Johann Nepomuk della Croce, c. 1780 - Eric Feller Collection

Die Familie Mozart – Gemälde von Johann Nepomuk della Croce, ca. 1780

 

Nach seiner endgültigen Rückkehr nach London 1785 wurde er zum Komponist und ersten Darsteller der Hanover Square Grand Professional Concerts ernannt. Er galt als ausgezeichneter Lehrer und zu seinen berühmtesten Schülern zählten beispielsweise Johann Baptist Cramer, Benoît-Auguste Bertini oder John Field.

Hanover Square c. 1790

Hanover Square um 1790

Gegen Ende der 1790er Jahre begann Clementi sich verstärkt als Unternehmer im Musikalienhandel zu betätigen. 1798 übernahm er die insolvente Firma „Longman & Broderip“. Für kurze Zeit agierte die Firma unter dem Namen „Longman, Clementi & Co.“ (einige wenige Tafelklaviere aus dieser Zeit sind erhalten). Nachdem James Longman im Jahr 1800 ausschied, gründete er dann die Firma „Clementi & Co.“ (mit teilweise wechselnden Partnern). Die Adresse der Firma war damals No. 26 Cheapside und ab 1802 auch in der Tottenham Court Road angesiedelt.

Tottenham Court Road c. 1800 - Engraving after Rowlandson

Tottenham Court Road ca. 1800 – Stich nach Rowlandson

Am 20. März 1807 zerstörte ein verheerendes Feuer das Gebäude in der Tottenham Court Road. Der Gesamtschaden belief sich auf über 40.000 Pfund. Durch gebildete Rücklagen und der Unterstützung verschiedener Geschäftspartner konnten die Räumlichkeiten jedoch sehr schnell wieder aufgebaut werden. Dieser schnelle Aufbau war essentiell, da Clementi in großer Konkurrenz mit der Klavierfirma von John Broadwood (zu dem er selbst hervorragende persönliche Kontakte unterhielt) stand. Ebenfalls im Jahr 1807 schloss Clementi einen Exklusivvertrag mit Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) ab, welcher ihm sämtliche Rechte an der Veröffentlichung aller seiner Werke sicherte. Clementi edierte die Werke und veröffentlichte sie in seinem Verlag. Er musste jedoch einige Kritik hinnehmen, da er selbst an einigen Werken von Beethoven„harmonische Korrekturen“ vornahm.

Clementi interessierte sich sehr für technische Neuerungen an Instrumenten und trug aktiv zu Verbesserungen der Spieltechnik und des Klanges bei. Während der Zeit von 1802 bis ca. 1810 steigerte sich seine Reisetätigkeit wieder und er bereiste Städte wie Riga, St. Petersburg, Zürich, Prag oder Mailand, um seine Instrumente zu verkaufen und Kontakte zu verschiedenen Verlagen und Musikalienhändlern zu knüpfen und auszubauen. Sein Geschäft florierte ausgesprochen gut und er war wirtschaftlich sehr erfolgreich.

1811 heiratete er Emma Gisborne, mit der er vier Kinder hatte: Vincent, Caecilia Susannah, Caroline und John. Das bisher einzig erhaltende Portrait vom Emma Gisborne Clementi wurde von Thomas Hardy gemalt (1756 – 1804) und befindet sich ebenfalls in der Eric Feller Collection. Es zeigt sie vor einem Clementi Tafelklavier mit einem Notenbuch in der Hand.

1822 kauften sich die Brüder Frederick William und William Frederick Collard in die Firma ein (fortan „Clementi, Collard & Collard“). Clementi verkaufte jedoch seine kompletten Anteile 1830 an die beiden Brüder und setze sich in Lyncroft House zur Ruhe.

 

Signature Muzio Clementi (1752 - 1832) - Eric Feller Collection

Signatur von Muzio Clementi (1752 – 1832) – Eric Feller Collection

 

Am 10. März 1832 verstarb er auf seinem Landsitz in Evesham, Worcestershire. Er wurde am 29. März 1832 in der Westminster Abby beigesetzt. Die Firma wurde danach von den beiden Brüdern unter „Collard & Collard“ übernommen und weitergeführt. Sein Nachlass ging an seine Witwe Emma über, welcher zahlreiche unveröffentlichte Manuskripte enthielt, die dann an seinen Enkel weiter vererbt wurden. Mit seinen Kompositionen beeinflusste Muzio Clementi nachhaltig die Klassik und seine Zeitgenossen. Lange Zeit stand der Komponist im Schatten von Mozart, Beethoven oder Haydn, obwohl er zu Lebzeiten gefeiert wurde, jedoch dann fast in Vergessenheit geriet.

Bis zu seiner Wiederentdeckung von verschiedenen Pianisten lag das Hauptaugenmerk jedoch auf den didaktischen Kompositionen und dem methodischen Aspekt wie beispielsweise bei seinen Sonatinen Op. 36, die fast als Standard in jedem guten Klavierunterricht unterrichtet wurden und werden.

Ein weiteres wichtiges Werk, welches seit Erscheinen fortwährend Beachtung fand ist Clementis Klavierlehrbuch Op. 44 „Gradus ad Parnassum“, welches in drei Bänden erschien (1817, 1819 und 1826).

Hier finden Sie zum downloaden die drei Bände in der französischen Erstausgabe aus dem Hause Erard:

 

Ebenso bedeutend aber weniger bekannt ist Clementis Lehrwerk  “Introduction to the Art of Playing on the Piano Forte” Op. 42.

Hier finden Sie zum downloaden die englische Erstausgabe aus Clementis eigenem Verlag: Clementi, Banger, Hyde, Collard & Davis, ca. 1803.

 

Neben diesen Lehrwerken prägte Clementi mit seinen weiteren Kompositionen den Musikgeschmack seiner Zeit bis weit über die Grenzen hinaus und nahm tiefen Einfluss auf seine Zeitgenossen. Seine Werke werden heute wieder verstärkt gespielt und man findet sie zu Recht vermehrt in Konzertsälen an.

Der britische Musikwissenschaftler Alan Tyson (1926 – 2000) brachte 1967 einen thematischen Werkkatalog aller Kompositionen Clementis heraus. Hier können Sie den Werkkatalog für weitere Informationen ansehen:

 

Quellen:

  • Anderson, Emily (Hrsg.): The Letters of Mozart and his Family. London: Palgrave Macmillan, 1989.
  • Appleton, Elizabeth: Private Education, or A Practical Plan for the Studies of Young Ladies. London: Henry Colburn, 1816.
  • Burney, Charles: A General History of Music from the Earliest Ages to the Present Period (1766–1784). London: G. T. Foulis, 1935.
  • Gerhard Anselm: London und der Klassizismus in der Musik. Die Idee der „absoluten Musik“ und Muzio Clementis Klavierwerk. Metzler, Stuttgart u. a. 2002.
  • Humphries, Charles; Smith, William C.: Music Publishing in the British Isles, from the Beginning until the Middle Part of the Nineteenth Century. New York: Barnes & Noble, 1970.
  • Plantinga, Leon: Clementi: his life and music. London – New York – Toronto: Oxford University Press, 1977.
  • Plantinga, Leon: Clementi, Virtuosity, and the German Manner. Journal of the American Musicological Society, XXV, 1972.
  • Tyson Alan: Thematic Catalogue of the Works of Muzio Clementi. Schneider, Tutzing 1967.
  • Unger, Max: Muzio Clementis Leben. Langensalza: Hermann Beyer und Söhne, 1914.

© Eric Feller – Early Keyboard Collection – Dezember 2018