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Érard Frères 1802 aus dem Besitz von Anne Angélique de Mackau, Comtesse de Saint-Alphonse

Informationen

Datum: 1802

Herkunft: Paris

Seriennummer: 107

Dieser elegante Hammerflügel zählt zu den absoluten Raritäten weltweit und stammt aus dem Umfeld Kaiser Napoleons! Er zählt mit zu den frühesten erhaltenen Hammerflügeln aus der Werkstatt Erards und ist baugleich wie das Instrument welches damals Ludwig van Beethoven geschenkt wurde. Die Firma Érard erreichte weltweit eine der besten Reputationen und die Instrumente wurden von Musikern und Komponisten hoch geschätzt.

Das „Forte-Piano en forme de Clavecin“ hat einen eckigen Korpus wie er von Cembali bekannt ist. Der Korpus ist aus solidem Mahagoni mit umlaufenden feuervergoldeten Bronzen im Empire Stil. Die Bronzen zeigen Lorbeerkränze, Lyren und Glocken. Die drei sich nach unten verjüngenden Beine sind an den oberen Enden ebenfalls mit Bronzeornamenten verziert. Die Tastatur ist aus Elfenbein und Ebenholz gearbeitet, die Hämmer sind mit Leder bezogen, 3-chöriger Saitenbezug, geteilter Steg und das Instrument verfügt über eine Einzeldämpfung mit Dockenleiste. In der Mitte befinden sich 4 hölzerne Pedale mit den Funktionen: Dämpfungsaufhebung, Forte, Moderator und una corda. Weiterhin gibt es einen Kniehebel für den Fagottzug. Der Klaviaturumfang beträgt 5 ½ Oktaven (FF – c4).

Das Vorsatzbrett trägt die Aufschrift:

„Érard Frères

Rue du Mail No.37 à Paris 1803”

Weiterhin befindet sich auf dem Resonanzboden eine Signatur mit der Seriennummer und dem Fertigungsjahr:

„Érard Frères a Paris 1802

No. 107″

Das Instrument von Beethoven aus dem Jahr 1803 hat die Seriennummer 133 und verfügt über keine Bronzen. Beethoven überließ das Instrument 1824/1825 seinem Bruder Nikolaus Johann. Über ihn kam das Instrument schließlich 1845 in den Besitz des Oberösterreichischen Landesmuseums nach Linz.

Neben Beethoven und anderen Komponisten und Musikern zählte die kunstsinnige Aristokratie zu den Kunden von Érard. Beispielsweise wurde der Flügel mit der Seriennummer 97 an die berühmte Madame Julie Récamier (1777 – 1849) geliefert.

Laut den originalen Fertigungsbüchern der Firma, die heute im Conservatoire de Musique in Paris aufbewahrt werden, kostete der Flügel 2.700 Franc, die in drei Zahlungen zu je 900 Franc geleistet wurden. Weiterhin zeigt das Register die berühmte Provenienz in der sich der Flügel neben Größen wie Madame Récamier oder Ludwig van Beethoven einreiht. Das Instrument wurde für die Familie Mackau gefertigt.

Die Bestellung des Instrumentes tätigte Armand-Louis de Mackau, der am 29. Mai 1759 in Vitry-sur-Seine geboren wurde. Er war Offizier in der Armee und Botschafter von Ludwig XVI. in Stuttgart und Neapel. Seine Schwester war Angélique Charlotte de Mackau, Dame de Compagnie (1762 – 1800), die als Marquise de Bombelles bekannt war. Sie war Gouvernante der königlichen Familie und übernahm in Teilen die Erziehung der Kinder von Ludwig XVI. und seiner Frau Marie Antoinette in Versailles. Sie war auch die engste Freundin von Élisabeth Philippine Marie Hélène de Bourbon, genannt Madame Élisabeth, die 1764 als jüngste Schwester von Ludwig XVI. in Versailles geboren wurde und in der Französischen Revolution 1794 auch durch die Guillotine hingerichtet wurde.

Seine Frau Angélique Madeleine Félicité Alissan de Chazet wurde 1765 geboren und verstarb schon im Alter von 29 Jahren im Jahre 1794 an Tuberkulose. Beide heirateten am 17. Oktober 1780 und hatten zwei Kinder:

  • Ange René Armand L’Amiral de Mackau, Baron de Mackau (1788 – 1855),
  • Anne Angélique de Mackau, Dame du Palais de l’Impératrice Joséphine (1790 – 1870)

Ange René Armand de Mackau war französischer Admiral und Politiker. Er wurde am 19. Februar 1788 in Paris geboren und am gleichen Tag getauft. Im Alter von 17 Jahren trat er in die Marine ein. Am 7. Oktober 1830 heiratete er in Paris Albine Muguet de Varanges (1806 – 1875). Beide hatten zusammen zwei Kinder:

  • Frédéric Armand de Mackau, Baron de Mackau (1832 – 1918)
  • Félixine Anne Annette de Mackau, La Baule (1837 – 1921)

Er hatte von 1836 bis Januar 1838 das Amt des Gouverneur von Martinique inne und war vom 24. Juli 1843 bis 9. Mai 1847 französischer Kolonial- und Marineminister.

Annette de Mackau heiratete am 2. März 1857 in Paris Jules Joseph Hennecart, Comte Hennecart (1832 – 1884).

Seine Schwester Anne Angélique de Mackau, für die der Flügel gekauft wurde, war eine Hofdame von Kaiserin Joséphine de Beauharnais (1763 – 1814), der Frau von Kaiser Napoleon Bonaparte (1769 – 1821). Sie heiratete am 20. Januar 1812 den General Pierre Watier, Comte de Saint-Alphonse (1770 – 1846) und wurde Comtesse de Saint-Alphonse. Pierre Watier absolvierte eine erfolgreiche militärische Karriere. Nach einigen Erfolgen beförderte Napoleon ihn zu einem Adjutanten und aufgrund seiner Verdienste in der Schlacht bei Austerlitz wurde er am 24. Dezember 1805 zum Général de brigade befördert. Am 8. August 1811 wurde Watier zum Général de division befördert und zum „Comte de l’Empire“ ernannt. Während der ersten Restauration verlieh ihm König Ludwig XVIII. den Ordre royal et militaire de Saint-Louis. Nach der Rückkehr Napoleons während der Herrschaft der Hundert Tage übertrug ihm dieser das Kommando der „5edivision de cavalerie“ (5. Kavalleriedivision) der Nordarmee, mit der er in die Schlacht bei Waterloo zog. In Anerkennung seiner Dienste ist er auf dem Arc de Triomphe in Paris verewigt.

Seine Frau, die Comtesse de Saint-Alphonse unterhielt einen musikalisch-literarischen Salon im Schloss Château de Vimer im Département Orne in der Normandie, wo sie mit ihrem Mann lebte, der nach seiner militärischen Laufbahn dort seinen Ruhestand verbrachte. Er starb dort an einem Hirnschlag und wurde in der Kirche von Guerquesalles nahe Vimoutiers (Orne department No. 61) begraben.

Anne Angélique de Mackau, Comtesse de Saint-Alphonse unterhielt einen intensiven Kontakt zu Jeanne Louise Henriette Campan (1752 – 1822), die erste Kammerfrau („première femme de chambre“) von Marie Antoinette war und eine Schule in Saint-Germain-en-Laye gründete, die u. a. von Napoleons Stieftochter Hortense de Beauharnais (1783 – 1837) besucht wurde. Auf die Fürsprache von Hortense hin wurde Henriette Campan von Napoleon 1807 zur Leiterin der Internatsschule in Écouen berufen. Diese Schule war für Töchter von Mitgliedern der Ehrenlegion vorgesehen.

In der damaligen Zeit war Musik größtenteils der weiblichen Aristokratie vorbehalten. Das Klavier galt als modernes und elegantes Instrument. Der Flügel von Érard 1802 diente Anne Angélique de Mackau, Comtesse de Saint-Alphonse zum Erlernen des Klavierspiels und der Zerstreuung, aber auch der Unterhaltung ihrer Gäste bei Zusammenkünften. Von Napoleons Frau, Kaiserin Joséphine de Beauharnais ist beispielsweise überliefert, dass sie drei Flügel bei Dulcken bestellt hatte. Das Klavier (ebenso wie die Harfe) zählte zu den Instrumenten, die in der Salonkultur Anfang des 19. Jahrhunderts essentiell waren.

Der Komponist Gaspare Spontini (1774 – 1851) war der Lieblingskomponist von Kaiserin Joséphine. Im Jahre 1807 komponierte er seine bekannteste Oper „La vestale“, die er mit Unterstützung der Kaiserin schrieb. Am 3. August 1811 heiratete Spontini Marie Catherine Céleste Érard (1790 – 1878), eine Nichte von Sébastien Érard, der er später seine Oper „Agnes von Hohenstaufen“ widmete.

Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass Kaiserin Joséphine zu Besuchen bei Anne Angélique de Mackau, Comtesse de Saint-Alphonse auch dieses Instrument spielte.

 

Detaillierte Informationen über die Firma Érard Frères finden Sie in den Publikationen hier!

 

 

Weitere erhaltene Instrumente von Érard Frères:

  • 1792 Hammerflügel (No. 452) – Metropolitan Museum, New York USA
  • 1801 Hammerflügel (No. ?) – Cité de la Musique, Musée de la Musique Paris, Frankreich
  • 1802 Hammerflügel (No. 86) – Cité de la Musique, Musée de la Musique Paris, Frankreich
  • 1803 Hammerflügel (No. 133) – Oberösterreichische Landesmuseum Linz, Österreich

 

 

Quellen:

  • Chantal de Tourtier-Bonazzi (Hrsg.), Annette de Mackau Watier comtesse de Saint-Alphonse: Correspondance d’Annette de Mackau: comtesse de Saint-Alphonse, dame du palais de l’impératrice Joséphine, 1790-1870 – S. E. V. P. E. N. Verlag 1967
  • Ch. Mullié: Biographie des célébrités militaires des armées de terre et de mer de 1789 à 1850 – Poignavant et Cie 1852
  • Ch. Egli, D. Gügel: Hortense de Beauharnais. Face à son destin – Labhards, Konstanz 2012
  • M. N. Clinkscale: Makers of the Piano 1820-1860 – Oxford University Press 1999
  • J. Hugentobler: Die Briefe der Königin Hortense an die Effinger von Wildegg – in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 66. Jg. 1939
  • F. Schaltegger: Am Hofe einer Exkönigin. Aus dem Tagebuch einer Ehrendame der Königin Hortense – in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 45. Jg. 1916
  • A. Lux (Hrsg.): Große Frauen der Weltgeschichte. Tausend Biographien in Wort und Bild – Sebastian Lux Verlag, München 1963

© Eric Feller – Early Keyboard Collection – April 2018

 

 

Länge: 222 cm

Breite: 104 cm

Höhe: 29,5 cm

Umfang: 5 ½ Oktaven (FF – c4)

Mechanik: Englische Mechanik

Pedale: 4 Pedale – Dämpfungsaufhebung, Forte, Moderator, una corda; 1 Kniehebel – Fagottzug

Signatur: „Erard Frères
Rue du Mail No.37 à Paris 1803”