Der Beitrag Longman and Broderip ca. 1785 für Charles Burney erschien zuerst auf Eric Feller Early Keyboard Instruments Collection.
]]>Der Korpus ist aus Mahagoni mit umlaufenden Intarsien aus verschiedenen farbigen Hölzern. Zu sehen sind Sujets mit verschiednen Blumen und Ranken sowie griechische Amphoren, die alle als farbige Intarsien gestaltet sind. Über der Tastatur sind ebenfalls Girlanden und verschiedene Blumen als Intarsien eingearbeitet. Die gesamte Dekoration kann als hervorragend und von höchstem künstlerischem Können eingestuft werden. Das Instrument liegt auf einem trestle-stand auf. Das Vorsatzbrett trägt auf einem Palisanderschild die Inschrift:
„Longman and Broderip
London
No. 26 Cheapside & No. 13 Haymarket“

Tangentenflügel Longman & Broderip c. 1785 – Eric Feller Collection (Tangent Piano) – Vorsatzbrett
Im Inneren befinden sind handschriftlich die Initialen J. W. sowie die Signatur:
“Made for Mr. Burney“
Die Tastatur hat einen Umfang von 5 Oktaven (FF – f3) und ist aus Elfenbein und Ebenholz gefertigt. Die Untertasten sind jeweils mit einer zusätzlichen Doppeleinkerbung verziert sind, die mit Eisengallustinte eingefärbt wurde. Dieses Detail ist als Verzierungselement bei Tastaturen von Cembali sehr gebräuchlich gewesen und findet sich hier als dekoratives Überbleibsel. Der Flügel verfügt über eine Tangentenmechanik mit hölzernen, unbelederten Tangenten und Einzeldämpfern. Unter dem Instrument befinden sich zwei Kniehebel für Dämpfungsaufhebung und Moderator. Der Steg ist durchgängig und nicht geteilt. Im Bassbereich ist der auslaufende Steg filigran als stilisierter Fischschwanz geschnitzt.

Portrait of Charles Burney by Joshua Reynolds 1781 – National Portrait Gallery London
Aus der Signatur geht hervor, dass der Flügel für Charles Burney gebaut und von ihm direkt bei Longman & Broderip bestellt wurde. Burney, der durch seine Reisen auf dem europäischen Festland eine Vielzahl an Persönlichkeiten des musikalischen Lebens Ende des 18. Jahrhunderts und diverse Instrumentenbauer kennen lernte, muss so in Kontakt mit Tangentenflügeln gekommen sein. Zurück in der Heimat beauftragte er die Firma ihm ein solches Instrument zu bauen. Tangentenmechaniken waren bis dahin in England kaum bekannt. Lediglich einige wenige Instrumentenbauer (Frederick Beck, Humphry Walton, John Statman und Charles Trute) waren mit der Tangentenmechanik vertraut.
London war neben Wien und Paris Zentrum des Instrumentenbaus im 18. und 19. Jahrhundert. Mitte der 1760er Jahre wanderten einige Instrumentenbauer, mit meist deutschsprachigen Wurzeln, nach England aus und führten maßgeblich zu Entwicklung und Verbreitung des Fortepianos bei. Allen voran der deutsche Instrumentenbauer Johann Christoph Zumpe (1726 – 1790) aus Fürth.
In den 1750er Jahren wanderte er nach London aus und begab sich in die Werkstatt des bekannten Cembalobauers Burkat Shudi (1702 – 1773). Im Jahre 1761 gründete er einen eigenen Betrieb in der Princes Street und baute die ersten Fortepianos in England. Das älteste und datierte bisher erhaltene Tafelklavier in England stammt aus dem Jahr 1766. Die Instrumente von Zumpe waren alle zierlich gebaut und verfügen über eine einfache Stoßzungenmechanik (single action). Bisher gibt es jedoch noch keinen Beweiß, dass Zumpe nicht auch Instrumente mit anderen Mechaniken gebaut hat. Aufgrund seiner Herkunft ist es anzunehmen, dass er auch andere Mechaniken aus seiner Zeit in Süddeutschland kannte.
Der aus Sankt Petersburg stammende und in Neapel ansässige Klavierbauer Giacomo Ferdinando Sievers (1810 – 1878) schreibt in seinem Buch aus dem Jahre 1868
„Il Pianoforte. Guida pratica per Construttori, Accordatori, Dilettanti e Possessori di Pianoforti con 300 disegni parte intercalati nel testo e parte in apposito atlante di Giacomo Ferd. Sievers Fabbricante di Pianoforti in Napoli”, dass er 1828 in Riga mehrere Instrumente mit Tangentenmechanik repariert hat. Weiterhin beschreibt er auch sehr detailgenau die Tangentenmechanik, die Zumpe gebaut haben soll:
„In England and Germany some harpsichords were made with jacks that struck two unison strings. In 1828, when I was in Riga, I repaired several of these instruments that had been made in Nuremberg in 1754. In England, during that period, Zumpe produced the same model with an intermediate lever. This maker covered the jacks with soft leather, thus they produced a faint but quite pleasant sound; those [percussive jacks] made in Germany were not covered with leather and produced a shrill sound. These jacks were placed inside a leathered guide, which looked like a comb, that was supported in order to allow space between the key and the jack; Zumpe’s intermediate lever was hinged on the back by means of a parchment.”
Es ist nicht gesichert, ob Sievers in seiner Beschreibung wirklich Zumpe meinte oder evtl. einen anderen Instrumentenbauer. Möglich wären auch Instrumente aus Zumpes Werkstatt, die mit einer neuen Mechanik überarbeitet wurden. Unabhängig davon stellt dies jedoch eine der wichtigsten Quellen von Zeitzeugenberichte über die Tangenteninstrumente in England dar.
Aus England sind bisher nur drei Instrumente mit Tangentenmechanik bekannt (Stand: November 2019):
Hierzu kommen jetzt noch die zwei englischen Tangenteninstrumente aus der Eric Feller Collection:
Die Entwicklung und Verbreitung der Tangenteninstrumente in Großbritannien ist recht vereinzelt geschehen. Die Instrumente in Tafelklavierform sind von ihrem Erscheinungsbild wie die typischen englischen Tafelklaviere gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Interessant ist, dass die Mechanik sich von der von Späth und Schmahl und ihrer Schüler unterscheidet.
Einen ausführlichen Artikel über Tangenteninstrumenten finden Sie in den Publikationen der Eric Feller Collection (klicken Sie hier)!
Weitere Forschungen zu dem Instrument dauern aktuell noch an!
© Eric Feller – Early Keyboard Collection – November 2019
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]]>Der Beitrag Anonymus ca. 1760 erschien zuerst auf Eric Feller Early Keyboard Instruments Collection.
]]>Tangenteninstrumente lassen sich heute in verschiedenen Ländern Europas wie beispielsweise in Italien, England, Deutschland und Polen nachweisen. Sie bilden ein wichtiges Bindeglied in der Entwicklung der Tasteninstrumente.
Dieser Tangentenflügel ist ein frühes Beispiel der Instrumente aus Italien. Die Tastatur ist aus Buchsbaum gearbeitet und hat an den Tastenfronten (ähnlich wie bei Cembali aus der Zeit) geschnitzte Ornamente. Der Bass ist zweichörig bezogen und der Diskant dreichörig. Das Instrument verfügt nur über einen kleinen Umfang von nur 4 Oktaven (C/E – c3). Unterhalb der Tastatur gibt es eine geschnitzte Zierleiste. Der Resonanzboden ist aus Zypressenholz gefertigt und es gibt zwei bemalte Rosetten aus Pergament. Der Steg ist nicht geteilt und durchgängig. Viele der Merkmale des Instrumentes zeigen einen eindeutigen Bezug zum Cembalobau. Die Tasten sind hinter dem Vorsatzbrett nummeriert und jeweils mit einem Ornament verziert. Eine Signatur ist nicht vorhanden.
Bei der Mechanik handelt es sich um eine einfache Tangentenmechanik mit hölzernen Tangenten und Einzeldämpfung, die über einen Kniehebel bedient werden kann.
Aufgrund der Bauart und äußeren Erscheinung lässt sich das Instrument auf die Zeit um 1760 datieren.
Weitere Forschungen zu dem Instrument laufen aktuell.
© Eric Feller – Early Keyboard Collection – Mai 2018
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]]>Der Beitrag Ignacy Skurski ca. 1770 erschien zuerst auf Eric Feller Early Keyboard Instruments Collection.
]]>Durch das zeitgleiche Aufkommen des Fortepianos und dem Wunsch nach neuen Klängen und Verbesserung wurden die Tangenteninstrumente sehr schnell vom Fortepiano verdrängt und gerieten in Vergessenheit.
Das hier vorliegende Tangentenklavier stammt aufgrund seiner Bauart und der äußeren Erscheinung aus der Zeit um 1770.
Es verfügt nur über einen kleinen Umfang von 4 ½ Oktaven (C – f3). Es gibt keine Dämpfung, lediglich einen kleinen Keil, der einen Lautzug bedient. Weiterhin verfügt das Instrument über einen einchörigen Bezug im Bass (sonst zweichörig). Die Mechanik befindet sich in einem kleinen Kasten und es gibt pro Taste je zwei Tangenten (beledert und unbeledert). Mittels einer Schaltung kann wahlweise zwischen den beiden Registern gewechselt werden. Diese Form der Mechanik gibt es bisher nur bei polnischen Instrumenten, so dass das Instrument mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem polnischen Raum stammt.
Das Tangentenklavier befand sich im absoluten Originalzustand beim Fund und zeigte keinerlei Spuren einer früheren Restauration oder Veränderung, keine der Tangenten fehlten. Es konnte schonend restauriert werden und überzeugt mit einem kräftigen und obertonreichen Klang.
Das Instrument verfügt über keine Signatur. Es ist jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass es aus der Werkstatt bzw. dem Umfeld von Ignacy Skurski aus Sandomierz stammt.
Weitere Forschungen zu dem Instrument laufen aktuell.
© Eric Feller – Early Keyboard Collection – Mai 2018
Der Beitrag Ignacy Skurski ca. 1770 erschien zuerst auf Eric Feller Early Keyboard Instruments Collection.
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